Gewerkschaftliche Frauengeschichte

Ein frauenpolitischer Rundgang des VÖGB mit Kolleg:innen von Jugend am Werk

Die Teilnehmer:innen am Platz der Menschenrechte

Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin

Präambel:
Wir, Mütter, Töchter, Schwestern, Vertreterinnen der Nation, verlangen, in die Nationalversammlung aufgenommen zu werden. In Anbetracht dessen, dass Unkenntnis, Vergessen oder Missachtung der Rechte der Frauen die alleinigen Ursachen öffentlichen Elends und der Korruptheit der Regierungen sind, haben wir uns entschlossen, in einer feierlichen Erklärung die natürlichen, unveräußerlichen und heiligen Rechte der Frau darzulegen, damit diese Erklärung allen Mitgliedern der Gesellschaft ständig vor Augen ist…1

Station 1 – Platz der Menschenrechte

Die Revolutionärin, Frauenrechtlerin und Autorin Olympe de Gouges (1748-1793) verfasste im Jahr 1791 die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Es war ihre Reaktion auf die am 26. August 1789 von der französischen Nationalversammlung verkündeten „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“, die nur für Männer galt.

Gouges forderte hingegen die volle rechtliche, politische und soziale Gleichstellung der Frauen und das Frauenwahlrecht. Die Erklärung war die Grundlage für den weltweiten Kampf um das Frauenwahlrecht.

Olympe de Gouges

Olympe de Gouges kam am 7. Mai 1748 in Montauban als uneheliches Kind auf die Welt. Der Vater sorgte sich nicht um sie.
Mit 17 Jahren wurde sie gegen ihren Willen verheiratet. Ihr Mann starb aber bald. Sie zog nach Paris und brachte sich im Selbststudium Lesen und Schreiben bei. Im Jahr 1774 verfasste sie eine Denkschrift gegen die Sklaverei. 1786 erschien unter einem Pseudonym ihre Autobiografie, die erste feministische Züge trug.
Während der französischen Revolution 1789 war sie eine glühende Verfechterin der der Menschenrechte der Frauen und der Bürgerinnenrechte. Denn aus der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ waren Frauen, Juden und Jüdinnen und das Proletariat ausgenommen.
Olympe de Gouges veröffentlichte viele politische Texte und im Jahr 1791 verfasste sie die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Der Text wurde ignoriert und erst 1972 in der französischen Nationalbibliothek wiederentdeckt. Olympe de Gouges kostete ihr Einsatz für die Rechte der Frauen das Leben. Sie wurde am 3. November 1793 hingerichtet.2

Station 2: Emilie Flöge und Nina Loos

Emilie Flöge erlernte die Schneiderei. Mit ihren beiden Schwestern Helene und Pauline betrieb sie zunächst in der Neubaugasse einen Modesalon. 1904 übersiedelte die Werkstätte in die Casa piccola (Mariahilfer Strasse), in der die Schwestern am 1. Juli den Modesalon “Schwestern Flöge” eröffneten.
Sie war eine Vertreterin der Reformmode. Diese Mode zeichnete sich durch eine radikale Verweigerung des bis dahin obligatorischen Korsetttragens, also des engen Schnürens der Taille, aus. Eine “Befreiung” der Frauen aus den “gesellschaftlichen Einengungen”.

Streik der Näherinnen 1908

Im Jahr 1908 streikten die Näherinnen, sie waren mit den Betriebseinrichtungen unzufrieden. Im Jahr 1916 und 1921 unterzeichneten die Schwestern Flöge Kollektivverträge.

1907 Streik der Kleidermacherinnen

Gustav Klimt und Emilie Flöge in gestreiftem Reformkleid @ÖNB pf 31931 E

Lina Loos (geborene Obertimpfler) war viel mehr als nur die Ehefrau des Architekten Adolf Loos. Sie war Schauspielerin, Autorin, Feuilletonistin, Kabarettistin und trat in den USA, Europa und Russland auf. Während des Zweiten Weltkrieges zog sie sich zurück. Nach 1945 war sie in der KPÖ-nahen Frauen- und Friedensbewegung tätigt und im März 1949 wurde sie Präsidentin des Bundes demokratischer Frauen. Sie starb am 6. Juni 19503.

Station 3: Erstes Mädchengymnasium, Rahlgasse 4

22 Jahre lang setzte sich die Frauenrechtskämpferin Marianne Hainisch für die Gründung des ersten Mädchengymnasiums Österreichs ein. Im Jahr 1892 war es so weit und 18 Jahre später übersiedelte die Schule in die Rahlgasse 4.
Hier maturierten u. a. die Physikerinnen Olga Ehrenhaft-Steindler (1879–1933) und Marietta Blau (1894–1970), die Lehrerin, Widerstandskämpferin und Politikerin Stella Klein-Löw (1904–1986) sowie die Philologin Gertrud Herzog-Hauser (1894–1953), die ab 1937 Direktorin des Gymnasiums war. Sie wurde von den Nationalsozialisten ob ihrer jüdischen Abstammung ihres Amtes enthoben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Gewerkschafterin Marie Jacot (1912–2000) die Schule trotz der schweren Versorgungslage und fehlender Unterrichtsmaterialen wieder auf. Seit 1978 dürfen auch Buben die Schule besuchen.

Gertrud Herzog-Hauser vertrieben 1939

Station 4: Heim der stellenlosen Hausgehilfinnen

Beide Bilder – VÖGB – Kulturlots:innen

Station 5: Johanna-Dohnal-Platz

Bruno Kreisky beschrieb Johanna anlässlich ihres 50. Geburtstages mit den Worten: „Erwecken, beunruhigen, verärgern“. Das trifft auf Johanna Dohnal tatsächlich zu. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass z.b. die ersten Frauenhäuser entstanden, sie mit Gewerkschaftsfrauen für Arbeitszeitverkürzung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und vieles, vieles mehr kämpfte.

Die Gleichstellung der Frau
„Emanze wird oft als Schimpfwort gebraucht. Es leitet sich von dem Begriff „Emanzipation“ ab. Emanzipation heißt die Beseitigung von Abhängigkeit. Das war und ist das Ziel der sozialistischen Arbeiterbewegung. Insofern hat das manchmal so in Verruf gekommene Wort überhaupt nichts mit der Frauenfrage zu tun.
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Mehr zu Johanna Dohnal

Station 6: Maria Theresias Brutalität im Umgang mit Frauen in Notsituationen

„Die Pflicht der Frauen ist die Ergebenheit vor Gott und den Menschen“5

Die Bestrafung des Schwangerschaftsabbruch geht in Österreich auf die Constitutio Criminalis Theresiana von 1768 zurück; nach dieser ist die vorsätzliche Abtreibung einer Mannes- oder Weibsperson im Artikel 88 als ein Verbrechen anzusehen, welches den Totschlag gleichzuachten und mit dem Tode zu bestrafen sei; es erfolgt die ausdrückliche Anordnung der Hinrichtung mit dem Schwert6.

Die Regentin Maria Theresia (1717-1780) förderte seit 1749 die Seidenerzeugung in Wien. Sie erlaubte ab 1751, dass Frauen in Manufakturen an Webstühlen arbeiten und ab 1776, das „Gewerbsleute“ „Weibspersonen“ beschäftigten dürfen. Im Jahr 1801 war schon die Hälfte der 16.000 in der Seidenproduktion Beschäftigten Frauen und Mädchen.
Mit der Zunahme der Technisierung, die die Zerlegung der Arbeit in einfache Schritte erlaubte, nahm die Frauen- und Kinderarbeit weiter zu. Frauen verdienten aber nur rund ein Drittel des Männerlohnes.

Zwischenstation – Otto Glöckl – Palais Eppstein

Sozialistischer Schulreformer in der 1. Republik.
Abschaffung des autoritären Unterrichtsprinzip – freie Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder, Entwicklung von Kritikfähigkeit, selbstständiges Handeln der Kinder wichtige Kompetenzen für demokratische Staatsbürger:innen7.

Zwischenstation – Denkmal der Republik

Warum steht am Denkmal derRepublik keine Büste einer Frau?

Station 7: Grete-Rehor-Park

“Es ist wichtig und richtig, wenn Frauen auch in höchste Positionen vordringen. Dies entspricht nicht nur der Bevölkerungs- und Beschäftigungsstruktur, sondern auch der Wählerstruktur.”

Dies sagte Grete Rehor an ihrem ersten Amtstag als Sozialministerin (1966-1970) zur Neuen illustrierten Wochenschau im Mai 1966. Als erste Frau wurde die christlich-soziale Gewerkschafterin damals zu einer Bundesministerin ernannt (eine Untersaatssekretärin gab es schon 1945 acht Monate lang mit Helene Postranecky). 104 Sozialgesetze trugen ihre Handschrift – das brachte ihr im Volk und auch in der eigenen Partei (ÖVP) den Spitznamen “Schwarze Kommunistin” ein.8

Ein herzliches Dankeschön an all jene, die bei der Planung und Gerstaltung des Rundgangs beteiligt waren.


Quellenverzeichnis

  1. Olympe de Gouges – geboren als Marie Gouze – gilt als Begründern der Frauenrechte. Im Jahr 1791 veröffentlichte sie mit der “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” eine Denkschrift an die französische Nationalversammlung, in der sie die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau einforderte. ↩︎
  2. Spaziergang Gewerkschaftliche Frauengeschichte ↩︎
  3. Bild: VERZEICHNIS DER KÜNSTLERISCHEN, WISSENSCHAFTLICHEN UND
    KULTURPOLITISCHEN NACHLÄSSE IN ÖSTERREICH

    Österreichische Nationalbibliothek im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ↩︎
  4. Bundesparteitag der SPÖ 1981 ↩︎
  5.  SCHWARZBUCH DER HABSBURGER, LEIDINGER/MORITZ/SCHIPPLER, DEUTICKE 2003, 2. AUFLAGE, SEITE 129 ↩︎
  6. Die Abortsituation in Europa und in außereuropäischen Ländern, Dr.med. Herbert Heiss, Ferdinand Enke Verlag Stuttgart, 1967, Seite 120  ↩︎
  7. Bild – Austria Forium ↩︎
  8. Zitat zu Grete Rehor ↩︎

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