Intern. Frauentag 8. März 2025

WeiberWirtschaftWexel mit Spaziergang zu widerständigen Frauen

Am Internationalen Frauentag besuchten zehn Frauen und zwei Männer – Mitglieder des Vereins Rote Spuren – am Vormittag in der Wiener Urania den Film von Johann Stuber und Erika Sieder über Frauen im Wechselgebiet. Frauen aus Berg und Tal des Wechselgebietes mit unterschiedlichen Berufen werden vor den Vorhang geholt. So präsentieren sich Hüttenwirtinnen, Bürgermeisterinnen, Köchinnen, Grafikerinnen, Konditorinnen, eine Jägerin wie auch Frauen aus weiteren Berufsgruppen und dem kulturellen wie auch künstlerischem Leben. Sie alle erzählen wer sie sind und wofür sie stehen.

In der Urania selbst erinnern wir an Hilde Hannak, der Volksbildnerin und Widerstandskämpferin. Sie war nach dem zweiten Weltkrieg lange Jahre Leiterin der Urania. Sie legte Wert auf gute Filme und so gewann die Urania als Kino mehr Bedeutung.

Am Stubenring 5 wird über Alice Ritter der ersten” Gewerbe-Inspizientin” – heute würden wir “Arbeitsinspektorin” sagen – gedacht. Dass erstmals eine Frau 1906 dazu ernannt wurde, ist der langjährigen Forderung der Arbeiterinnenbewegung zu verdanken.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ergehen wir Stationen weiterer mutiger, kämpfender Frauen. Natürlich beginnen wir angesichts des Internationalen Frauentages beim Johanna Dohnal Platz. Viele Errungenschaften, die für uns heute selbstverständlich sind, hat Johanna Dohnal mit Frauen aus unterschiedlichen Organisationen erkämpft. “Wer waren eigentlich nach Johanna Dohnal die weiteren Frauenministerinnen?” überlegten wir hier auch gemeinsam. Wer fällt dir spontan ein?

Bildung für Frauen

Indem ich sie zur Gründung eines Unter-Realgymnasiums für Mädchen auffordere, gehe ich von zwei Grundsätzen aus, von der Nothwendigkeit der besseren weiblichen Schulung zu Zwecken des Erwerbes und von der Nothwendigkeit einer gründlicheren Bildung überhaupt.
Schrecken sie nicht zurück, wir werden unsere Sache durchsetzen, wenn wir nur recht wollen. Die Gewalt ist freilich nicht für uns, wir haben als einzige Waffe nur die Idee. Aber die Ideen sind mächtig, wenn sie in tiefster Überzeugung wurzeln und dem Bedürfnisse der Zeit entgegenkommen.

Marianne Hainisch Zur Frage des Frauen-Unterrichtes. Vortrag gehalten bei der dritten Generalversammlung des Frauen-Erwerb-Vereines (1870).

Der nächste Schritt ging einige Jahre zurück ins Jahr 1892 zum Thema “Bildung für Frauen”. Marianne Hainisch war die Vorkämpferin dafür, dass in diesem Jahr das erste Mädchengymnasium 1892 gegründet werden konnte. 22 Jahre nach ihrerm Vortrag.

In der Rahlgasse 2 wurde 1911 der Verein “Einigkeit – Verband der Hausgehilfinnen, Erzieherinnen, Heim – und Hausarbeiterinnen” gegründet. 1927 wurde hier auch ein Heim für stellenlose Hausgehilfinnen (Dienstbotinnen) errichtet.

“Außen hui – innen pfui” könnte man beim ehemaligen Modesalon der Schwestern Flögge sagen. Denn auf der einen Seite entwarfen die Schwestern Flögge neben teuren Modellkleider, lockere Reformkleider ohne Korsett, damit die Frauen (nicht nur) von der Enge der Kleidung befreit wurden, andererseits gingen sie mit ihren 80 Schneiderinnen nicht besonders gut um. Im Jahr 1908 streikten die Näherinnen, sie waren mit den Betriebseinrichtungen und den Löhnen unzufrieden. Die damalige Arbeiter-Zeitung berichtete davon und warnte die Schneidergehilfen, an diesem Tag zu arbeiten.

Am Platz der Menschenrechte beleuchteten wir noch jene Person, die 1791 die “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” verfasste. Die Revolutionärin, Frauenrechtlerin und Autorin Olymp de Gouges (1748-1793).

Käthe Leichter. Und die Vermessung der Frauen.

Ausstellungsbesuch

Am 26. Februar 2025 konnten wir 24 Mitglieder unseres Vereins vor dem Waschsalon im Karl-Marx-Hof begrüßen. Mit großem Interesse verfolgten sie die Ausstellung über die Spuren der engagierten Käthe Leichter.

Die Staatswissenschafterin Käthe Leichter wirkte 1919 in der „Staatskommission für Sozialisierung“1 mit, wo sie u.a. die Vorbereitung des Betriebsrätegesetzes mitgestaltete. Besonders herausragend war ihre Arbeit als erste Leiterin der Frauenabteilung in der Arbeiterkammer (AK). Vor 100 Jahren wurde ja dieses Referat erstmals in der AK eingerichtet. Mit Anna Boschek, der Vorsitzenden der Frauensektion der Freien Gewerkschaften arbeitete sie eng zusammen.

Sie verfassten Studien zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Hausgehilfinnen, der Heimarbeiterinnen, wie ingesamt der arbeitenden Frauen. Käthe Leichter gelang es, eine eigene Radiosendung zu bekommen. In dieser wurden u.a. die Frauen auf die Ergebnisse ihrer Studien aufmerksam.

Viele gesellschaftliche Reformen der Ersten Republik waren auch Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Studien.

Käthe Leichter war eine beliebte Vortragende, weil sie es verstand, komplizierte Sachverhalte allgemein verständlich und überzeugend darzulegen.

1938, ihr Mann war in die Schweiz geflüchtet, ihre Kinder wurden mit Hilfe einer Hausgehilfin ebenfalls in Sicherheit gebracht, wurde sie verraten, von der Gestapo festgenommen, kam 1940 in KZ-Ravensbrück und wurde 1942 im Zuge des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms in der Psychiatrischen Anstalt Bernburg/Saale ermordet.

Artikel zu Käthe Leichter auf unserem Blog:


  1. “Die „Sozialisierungskommission“ sollte in der Zeit der Republiksgründung nach dem Ersten Weltkrieg Modelle für die Führung von Unternehmen in öffentlichem Eigentum unter Beteiligung aller Betroffenen ausarbeiten, besonders auch der Konsumentinnen und der Arbeitnehmerinnen. Die erste Voraussetzung dafür war das Recht auf Interessenvertretung und Mitbestimmung bei wichtigen Managemententscheidungen. Das Experiment wurde unter den rechts-konservativen Regierungskoalitionen ab 1920 gestoppt, aber das Betriebsrätegesetz konnte unter demokratischen Bedingungen nicht mehr zurückgenommen werden. (Brigitte Pellar in “Arbeit & Wirtschaft”, 4. Mai 2021, “Käthe Leichter: Die Flamme der Begeisterung”) ↩︎

Frauenpolitischer Lehrgang – Rundgang zur Frauengeschichte

Am 4. Dezember 2024 trafen sich 16 Frauen – Betriebsrätinnen, Personalvertreterinnen aus ganz Österreich – um Frauen, die gewerkschaftlich und politisch in unterschiedlichen Funktionen tätig waren, näher zu beleuchten. Brigitte führte vom Platz der Menschenrechte über die Rahlgasse zum Johanna-Dohnal-Platz, weiter zum Parlament in den Grete-Rehor-Park.

Trotz eisiger Kälte waren die Frauen gespannt, was Maria Beutlmayr, Maria Emhart, Zenzi Hölzl, Maria Ducia, Grete Rehor oder die ersten Gewerkschafterinnen im Parlament wie Amalie Seidel, Anna Boschek oder Marie Tusch bewegte, sich trotz widriger Lebensumstände für das Frauenwahlrecht, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, die Demokratie und Gleichberechtigungen einzusetzen und dafür zu kämpfen.

Auch heute ist es noch immer notwendig, sich gerade für die Gleichberechtigung z.B. gleicher Lohn für gleiche Arbeit, einzusetzen, war der einstimmige Tenor. Diese 16 Frauen kämpfen auch tagtäglich für ihre Arbeitskolleg:innen.

Danke an Tina Ourny, Leiterin des Frauenpolitischen Lehrgangs des VÖGB, die diesen Rundgang den Frauen ermöglicht hat.

Junge Gewerkschafterinnen auf den Spuren der Frauengeschichte

Im Rahmen einer Jugendvertrauenskonferenz der ÖGJ  informierten sich am 30.10.2020 neun Jugendvertrauensrätinnen aus Wien, OÖ und der Steiermark  beim gewerkschaftlichen Frauenspaziergang über die Arbeits-, Wohn-, bildungs- und gesellschaftspolitischen

Bedingungen von Frauen im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Eine 2. Gruppe von JVRs war ebenfalls gleichzeitig auf diesem Rundgang unterwegs.  Im Rahmen dieses Spazierganges erzählten die jungen Frauen auch über ihre Erlebnisse und  Werthaltungen  in ihrem beruflichen und privaten Umfeld im Umgang mit Frauen.  Besonders die Erfahrungen in einem technischen Beruf wurde von allen intensiv diskutiert.

Danke an Barbara Weber vom VÖGB für die Vermittlung.